ver-dünn-isier dich!

*rant*

als ich letztens halb-im-ernst-halb-im-scherz sagte, dass ich dünne menschen irgendwie nicht leiden kann, bekam ich einen recht vorwurfs­vollen “diskriminierung !!einself!”-blick zurück. (was ich eigentlich meinte, war: ableisierte, norm­schöne, dünne* menschen.) nun mag die eine oder andere leser_in jetzt trotz­dem noch zusammen­zucken und sich etwas unbe­haglich fühlen, aber so ist’s.

nun ja, etwas relativieren muss ich: einige meiner besten freundin_nen sind dünn. und ich bin mit ihnen befreundet, obwohl sie dünn sind! wie nett von mir! ich nehme selten an irgend­einer form von body shaming teil, also keine angst: ich habe außer einer einzigen person auch noch niemanden ver­raten, dass mir schlanke menschen schon immer suspekt waren.

es ist auch nicht ganz so leicht zu erklären, warum das so ist. denn ja, es ist total un­gerecht und vor­ver­urteilend, tatütata. anyway, please bear with me**

persönlich kann ich recht leicht erklären, warum schlanke, norm­schöne menschen mir irgendwie komisch vor­kommen: ein mix aus schlechten er­fahrungen, vor­urteilen und null anziehungs­kraft formen die basis. das alles ist kein grund, eine ganze konstruierte gruppe irgendwie abzulehnen. vor vielen monaten ist mir aller­dings auf­gefallen, warum es so ist:

ich bin neidisch.

und nee, versteht mich nicht falsch. ich bin nicht unbedingt neidisch auf jene der norm entsprechenden und demnach für die durch schönheits­ideale geschulten äuglein hübsch anzu­sehenden körper. ich würde zwar lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich noch nie schlank sein wollte (you know, damit ich bequem durch die gänge in diesen knall­bunten klamotten-läden passe). aber das ist’s nicht.

ich bin neidisch auf selbstverständlichkeiten.

du suchst ein kleid und findest eins im laden deiner wahl in deiner größe? good for you!

dir wird nicht (ungefragt!) an den bauch gefasst und alles für süß, weich und knuddelig empfunden? good for you.

du setzt dich auf einen stuhl, ohne vorher zu testen oder ab­zuschätzen, ob er dich über­haupt aushält? good for you!

du läufst im bauch­freien top rum und erntest weder beleidigungen noch angeekelte blicke? good for you!

in deiner yoga klasse kannst du in der ersten reihe stehen und fühlst dich nicht unwohl, weil dein fett aus der jogging-hose raus­quillt und alle es sehen können? damn good for you!

wenn du pommes isst, dann isst du pommes? good for you! wenn ich pommes esse, bin ich nicht ich, sondern die dicke, die pommes ist.

du sitzt auf größen­normierten s-bahn-plätzen bequem? gooooood foooor youuuuuu!!

wenn du rücken­schmerzen hast, dann rät dir der arzt nicht, erst einmal 15kg abzunehmen (ohne dich untersucht zu haben)? good for you! (medizin, ärzt_innen und kliniken sind übrigens so ein weites feld was dickendiskriminierung angeht, dass es wohl das internet sprengen würde, wenn ich da mal richtig anfangen würde.)

wenn du dich auf’s bett legst und das latten­rost knackt, hörst du von deine_r partner_in nicht: BOAH EYYYY!!!! rufen, garniert mit einem vorwurfs­vollen blick, der dich dran erinnert, dass du 30kg mehr wiegst als sie_er? good! for! you!

du bist lady gaga und posierst in unter­wäsche, damit alle sehen können, dass du auch nur ne ‘ganz normale [sic!] frau’ mit makeln bist. srsly? LOL. ich brauch nicht noch ‘ne schlanke frau, die sich aus­zieht und schreit, dass sie akzeptiert werden will und dann als ‘dickes role model’ gefeiert wird, während weiterhin dicke pathologisiert, beleidigt und zum abnehmen auf­gefordert werden.

u.s.w.u.s.f.

well, spätestens jetzt sollten die letzten von euch kreischend zusammen­brechen und geschichten erzählen, wie die böse tante ja immer auf dünnen menschen rum­hackt und dass das ja genau so scheiße ist, ne, sorry, eigentlich: schlimmer. das selbst­bewusst­sein leide ja so sehr! und dann diese ganzen dicken, die zum self-empowerment sätze sagen wie ‘proud to be fat‘, die nehmen ja sprich­wörtlich den gesamten platz im körper­diskurs ein. unfair!!!1 und dann nehmen die dich noch nicht mal ernst, wenn du deine anekdötchen zum besten gibst.

let me tell you something: body shaming, ätzende kommentare, sexistisches bewerten, tränen und wut sind nix, was nur dünnen menschen passiert. die bewertung von als frauen gelesene körper ist ein sexistisches grund­prinzip und bitter für alle, die das erleben. aber weißt du, was der unterschied zwischen fat shaming und dem angeblichen pendant “skinny bashing” ist? dünne können darauf zählen, in jeder beschissenen serie, in jedem video, in jeder verdammten werbung und in jeder fucking zeitschrift abgebildet zu sein. sie sitzen bequem in jedem flug­zeug und werden auf der straße nicht als fette sau beschimpft. sie bestellen ein eis und werden nicht daran erinnert, dass die dritte kugel doch unnötig sei (“zwinker zwinker”). und wenn du als dünne person darauf hinge­wiesen wirst, dann nur, weil du ja nicht so fett werden sollst, wie diese ganzen “kranken [sic!] dicken”.

dass das nette privilegien sind, bekommen diejenigen, die sie genießen, ja nicht mit, weil die, deren körper gesell­schaft­lich berück­sichtigt werden (z.B. bei flugzeugsitzen) das ja als ‘normal’ empfinden. (ich selbst passe noch ganz gut in einen flug­zeug­sitz und wurde erst letztens von einer einer drauf hingewiesen, dass das nicht für alle gilt und fliegen daher nicht für alle positiv besetzt ist). etwas spitz gesagt: wer sich darüber keine gedanken machen muss, kann auch schon mal stundenlang tränen­reich von der nervigen tante erzählen, die die dünnen beine kommentiert.

noch mal deutlich: es ist scheiße, menschen und ihre körper zu bewerten. jeden menschen! und ich finde es toll, dass so viele leute immer mehr ihre erfahrungen nieder­schreiben, sich dagegen wehren und andere leute darauf auf­merksam machen, dass diese gerade (verwoben mit sexismen) body shaming oder fat shaminig bertreiben.

aber liebe leute, vergesst mal bitte nicht, dass (sexistisches) body shaming alltag von ganz vielen frauen* ist und ein nerviger spruch gegen dünne menschen nicht gleich mit struktureller diskriminierung gleich­zusetzen ist. klar sagt die kilozahl nicht zwangs­läufig etwas über das eigene verletzt­sein aus. ‘eat a sandwich’ und ‘mensch bist du dünn’ – kommentare können verletzen und erinnern eine, dass ihr körper und ihr ess­verhalten nicht privatsache sind, sondern gesellschaftliche normierung hervorrufen. aber das ist doch nix, was dünne exklusiv erleben. körper­normierung ist das täglich brot ganz vieler menschen. der unter­schied ist: mit der anzahl der kilos steigt die wahrscheinlich­keit ins unermessliche jeden tag auf’s neue verletzt zu werden.

bitte fragt euch: für wen sind räume gestaltet? wer ist auf magazin-covern? wer wird als role model dargestellt? deine dünnen beine mögen der nervigen tante nicht gefallen, aber sie sind in jeder verdammten show abgebildet und gelten als zu erreichendes ziel für all diese ekelhaften fat shaming shows wie ‘the biggest loser’, die menschen bloßstellen und physisch sowieso psychisch fertig machen. so lange die gesell­schaft­liche maxime “nimm ab” lautet, verschont mich bitte mit euren halb­garen analysen, in denen alle menschen gleich betroffen sind bzw. wir uns selbst­verständlich erst mal mit “skinny bashing” beschäftigen müssen, weil das ja immer (sic!) übersehen wird und diese ganzen schlanken menschen echt gesell­schaft­lich an den rand gedrängt werden!!!!!

–> read: On fatphobia, thin privilege, and “eat a sandwich!”
–> read: Body policing and fat hate are related, but they are not the same

*rant ende*

ich danke r. und p. für ihre kritischen hinweise zu diesem text.
________________________________________

* ‘dünn’, genauso wie ‘dick’ und ‘fett’ (und letztere beiden vorzugsweise als selbst­bezeichnungen!) sind soziale konstruktionen, die nicht ‘natürlich’ sind, was so viel heißen soll: dick ist als bezeichnung wichtig und (für mich) nötig, weil es so etwas wie fat shaming gibt. ansonsten ist diese bezeichnung sinnleer, denn es gibt keine objektive von der gesell­schaft abgekoppelte größe, die offiziell bestimmen kann, was dick oder dünn ist.

** pun intended. BEAR!!1

20 thoughts on “ver-dünn-isier dich!

  1. hey, danke für den text. eines meiner liebsten dünnen privilegien von leuten, die bestimmt 30 kilo weniger wiegen als ich, ist, wenn die sagen: boah, ich (sie meinen damit sich selbst) bin so ätzend fett geworden. ich (also ich) steh dann daneben und denke mir, ja hm, ich find dich eigentlich ziemlich schlank (so im verhältnis zu mir). und dann frag ich mich, finden die mich wirklich so ätzend fett und eklig (ich hoffe dann nicht und ich will ja auch nicht sooo krass egozentrisch sein und alles auf mich beziehen). und weil ich meistens dann irgendwie doch schäme, sag ich nicht so viel dazu. naja. auf jeden fall tuts mir ganz schön gut, so texte zu lesen. danke fürs shreiben. und beim nächsten mal sag ich dann vielleicht auch mal was.

  2. Ich hab eine Frage, bzw. hast du dich vielleicht schon damit beschäftigt. Wie werden in dem Diskurs Körper behandelt, die ein Resultat von Essstörungen sind? Oder sprengt das thematisch zunächst den Rahmen?
    Bulimie und selbst Magersucht sind äußerlich kaum erkennbar, beide aber lebensgefährlich.

    Und noch eine Frage: ich glaube *wir* sind in einem Alter, in dem wir Privilegien reflektieren können und durch Lebenserfahrungen und Wissen aus Freund_innenschaften versuchen miteinander rücksichtsvoller umzugehen. Besonders hart fängt jedoch in meiner Erinnerung Body- und FatShaming schon in Kindergärten und Schulen an, und mir mangelt es an Ideen, da wirksam etwas zu ändern. Siehst Du das Verhalten im persönlichen Miteinander als wichtiger oder Normen, die durch Medien transportiert werden?

    Den Blick in Familien finde ich auch interessant, meine Mutter war da sicher geleitet von einem Blick der perfekten Familie und der perfekten Töchter. Ich bin lange wegen Anorexie behandelt worden, während meine Mutter meiner kleinen Schwester immer gesagt hat, sie sei zu dick und müsse abnehmen. Das hat mich fassungslos gemacht. Frauenbilder wirken so stark, dass schon Kinder und Jugendliche drangsaliert werden, in den eigenen Familien. Eigentlich ist es zum Verzweifeln, weil mir kaum Räume einfallen, in denen selbst ganz junge Menschen so akzeptiert werden, wie sie sind. Dass das Stigma von Dicksein so groß ist, dass selbst Familien und Freund_innen andere nicht akzeptieren und schlecht behandeln, ist so traurig.
    Ich fahre selten zu meiner Familie weil, ich weiß, dass egal wie viel ich gerade wiege, oder meine Schwester, das Gewicht kommentiert wird, das Essverhalten. Hast du einen Tipp, welches Buch oder welche einfachen Texte für Eltern geeignet sind zum Thema Fat- und Bodyshaming?

    Für die “Macht der Medien” fällt mir da nur die (Feministinnen)-Quote für Menschen ein, die in verantwortungsvollen Positionen durch alle Formate und Künste hinweg durchsetzen können, dass die 95-Prozent-Quote für normschöne Körper fällt.

  3. Pingback: Kein Gramm zuviel « disconnectedfragments

  4. mir sind dünne menschen auch oft suspekt. die mehrzahl der menschen um mich herum ist dünn. das nervt mich oft, weil ich die dicke bin, die auffällt, die ständig grenzen und mist deswegen erlebt / eben nicht privilegiert ist.

    @vio:Mal meine Gedanken, Essstörungen und Körperformen haben nicht per se was miteinander zu tun. Ob ich der Norm entspreche mit einem Körper oder nicht, dass sagt nichts aus darüber, ob ich Essstörungen habe oder dazu eine Geschichte. Die Frage ist, was alles mitreproduziert wird, wenn das miteinander verwurschtelt wird – denn es ist eine Auseinandersetzung zu fat-shaming, da passen für mich normzurechtstutzende (teils satirisch zuspitzende) essstörungen nicht rein. Ich finde die Trennung sehr hilfreich. Als Person die mit ES kämpft / gekämpft hat hilft mir das sehr, dass zu trennen: Ich kann auch meinen Körper mögen lernen, ohne dass sich gleich die Essschwierigkeiten auflösen.

    texte wie dieser helfen mir dabei sehr, weil einfach endlich mal die verantwortlichkeit, wie menschen reagieren, auf die personen zugeschoben wird, die privilegiert sind – und nicht auf die, die sich eh schon ständig mit diesen kacknormierungen auseinandersetzen müssen durch ständiges kein platz im raum haben / angegriffen werden. orr und diese fuck flugzeugsitze bei so manchen fliegern, geht gar nicht! (auch schon mal erlebt, tat auf jeden fall weh.)

    danke für diesen rant, liebe mango!

  5. hallo vio,

    vielen lieben dank für deinen tollen kommentar!

    ich habe magersucht und bulimie erst einmal ausgeklammert, weil ich denke, dass da ganz bestimmte mechanismen des shaming passieren, die ich nicht kleinreden möchte und die auch bei menschen, die als dünn gelesen werden, passieren, deshalb schrieb ich, dass ich von ableisierten menschen spreche, also von jenen, die als “gesund” gelten. aus eigener erfahrung kann ich nicht über bulimie oder magersucht sprechen, deshalb maße ich mir kein urteil an. ich bin mir bewusst, dass das eine leerstelle ist, aber mit meinem nicht-wissen will ich da keine falschen thesen raushauen.

    deine zweite frage ist schwieriger, weil es ja nicht den *einen* tollen weg gibt. ich denke, dass menschen erst einmal im eigenen sozialen umfeld anfangen können, bestimmte verhaltensmuster zu hinterfragen und body bzw. fat shaming nicht zu reproduzieren, weil die meisten von uns ja gar nicht die möglichkeit haben, mediale bilder zu beeinflussen. zumindest kann mensch so gegen gesellschaftliche normen auf einer kleinen ebene ankämpfen und den freund_innen, der (wahl-)familie etc. ein netteres zusammensein ermöglichen, das nicht geprägt ist von gegenseitigem bewerten.

    absolutes und uneingeschränktes JA!!! für die feminist_innenquote!!!!

    und hier noch ein paar lesetipps:

    Blogs
    http://www.charlottecooper.net/ (queer white fat activist from the UK)
    http://itgetsfatter.tumblr.com/ (queer POC fat activists from the US)
    http://thisisthinprivilege.tumblr.com/ (thin privilege lists)

    Bücher
    “Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love & Fashion” von Virgie Tovar
    “No Fat Chicks: How Big Business Profits Making Women Hate Their Bodies-How to Fight Back” von Terry Poulton
    “The Fat Studies Reader” von Esther Rothblum, Sondra Solovay
    “From Coal to Diamonds” von Beth Ditto (!!!!! gibt es auch auf deutsch)

  6. Vielen Dank für den Post! Er spricht viele wichtige Dinge an. Und ich stimme dir zu, dass “fat-shaming” als diskriminierende Praxis sicherlich weiter verbreitet ist als das sog. “thin-shaming”.
    Nur eine Anmerkung: es ist nicht nur die Tante, die die dünnen Beinchen bemängelt. Auch als dünn gelesene Körper unterliegen Normierungen und oft auch Pathologisierungen.
    Nämlich dann, wenn statt dem “dünn” (=normgerecht=”schön”) ein “zu dünn” attestiert wird und Personen oft eine “Krankheit” zu geschrieben wird, ein nicht mehr “normal”, eine sogenannte “Essstörung”. Auch dann sind da die angeekelten Blicke im Bus, am Arbeitsplatz, in der Uni. Wird die Selbstbestimmung der Menschen in Frage gestellt, weit über “nimm doch noch ein Stück” hinaus. Werden Jobs nicht vergeben (BMI zu niedrig) usw.
    Und es wird unterstellt, dass sie nicht selbstbestimmt leben und essen, sie sich nicht von Schönheitsnormen emanzipieren, dass sie nur so aussehen, weil Normen es so vorgeben, nicht weil sie sich selbst so wohlfühlen (wobei Wohlfühlen natürlich immer was mit gesellschaftlichen Normen und Blicken zu tun hat).
    Damit will ich nicht in Abrede stellen, dass Fat-Shaming gesellschaftlich und medial viel mehr Raum einnimmt, vielleicht auch stärker strukturell verankert ist. Ich passe (heute) in jeden U-Bahn-Sitz und könnte in jedem Laden Kleidung in meiner Größe finden. Und bin in diesem Kontext wirklich voll und ganz auf der Seite der unverdient privilegierten zu verorten.
    Aber ich kenne diese Normierungsversuche und die Versuche, mein Essverhalten zu beeinflussen und das keine-passende-Kleidung-im-Laden-Problem mittlerweile in beide Richtungen und muss sagen, dass für mich persönlich (die Betonung liegt hier auf meiner subjektiven Perspektive) beides unangenehm war, vor allem aber die “du bist zu dünn, das ist nicht mehr normal, willst du nicht mal mit einem Arzt reden, hast du psychische Probleme, erbrichst du dein Essen”-Kommentare lange Zeit eine große Rolle gespielt haben und ich mich dadurch sehr oft nicht als als selbstbestimmte Person wahrgenommen gefühlt habe.

  7. Johanne,

    im post selbst und hier in den kommentaren wurde darauf schon bezug genommen: ich spreche dezidiert von ableisierten körpern (siehe oben).

  8. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Lesestoff für das ganze Wochenende – die Blogschau

  9. Hallo riotmango,

    ich hoffe, dass der Post veröffentlicht wird, auch wenn er deinem Text kritisch gegenüber steht.
    Ich habe das Gefühl, so einen Text kannst du nur schreiben, weil du nie dünn warst. Du weißt gar nicht, mit welchen Kommentaren und Vorurteilen sich dünne Menschen auseinander setzen müssen! Du kennst nur die eine Seite.

    Ich selbst bin dick, war aber bis vor ca. 5 Jahren sehr dünn und habe durch eine Krankheit mein Körpergewicht innerhalb kurzer Zeit verdoppelt.
    Erstmal ist das natürlich schrecklich, da einem der eigene Kleiderschrank nicht mehr passt und man alles neu kaufen muss (was bei einer entsprechenden Kleidergröße wie erwähnt nicht unbedingt einfach ist).
    Aber mittlerweile geht es mir viel besser als früher. Ich bin dick und bekomme wesentlich weniger Sprüch bezüglch meines Körpers zu hören. Evtl. liegt das auch am Umfeld in dem ich lebe und in dem du lebst. Aber das dicke Menschen pauschal mehr in diese Richtung diskriminiert werden, kann ich so nicht bestätigen.
    Als dünner Mensch war es nie möglich normal essen zu gehen ohne irgendeinen Kokmmentar wie ich sollte doch mal richtig zulangen. Oder ich sehe ja aus, als würde ich zerbrechen. Und die Jungs stehen ja auch nicht auf Knochen. Nur einige der vielen Sprüche.
    Als dicker Mensch bin ich eher selten mit Sprüchen konfrontiert, die so beleidigend sind. Klar wurde mir auch schon mal gesagt, ob ich nicht abnehmen möchte oder eine dicke Freundin meinte, mich dazu überreden zu wollen, gemeinsam abzunehmen. Nein danke, ich fühle mich so ziemlich gut!

    Vielleicht alles eine Frage der Sichtweise! Ich finde es gut, dass du dich gegen body-shaming generell aussprichst. Aber bitte nicht diese Hierarchisierung von unterschiedlichem “Leidensdruck” (keine Ahnung wie ich das sonst ausdrücken soll) bei unterschiedlichen Körperformen.

    Liebe Grüße,
    Miria

  10. hey miria,

    ich schalte deinen post frei, weil du deine persönliche geschichte stark gemacht hast, auch wenn ich keine deiner thesen ernsthaft unterschreiben würde. dass du persönlich andere erlebnisse gemacht hast, als die meisten dicken und fetten menschen in dieser gesellschaft ist zwar schön für dich, aber kein grund, so zu tun, als gäbe es fat shaming nicht.

    eigentlich steht in meinem blogpost dazu einiges drin: die körper, die als schön und gesund eingeordnet werden, sind i.d.R. dünne körper (so lange sie als ‘gesund’ gelesen werden). menschen, die wir als idole feiern sollen (im fernsehen, in der werbung, im sport, in zeitschriften) sind dünne menschen. dicke und fette menschen werden immer als solche benannt, weil das ja anscheinend so außergewöhnlich ist. u.s.w.u.s.f. (siehe mein posting)

    ich hierarchisiere nicht unterdrückungsformen, sondern gebe kontext. subjektiv tut fat shaming und so-genanntes ‘skinny bashing’ vielleicht gleich weh, aber wir leben nun mal in einer gesellschaft, in der dicke und fette körper kontinuierlich abgewertet werden, deshalb sind diese beiden unterdrückungsformen unterschiedlich zu bewerten. fakt ist: beides ist scheiße und part von body shaming, was ich insgesamt ablehne. aber nee sorry, wir sind nicht alle gleich in dieser gesellschaft. und nur weil es dir gut geht, sagt das nix über gesellschaftliche strukturen aus. im feminismus & fat positivity geht es um strukturen, da helfen persönliche geschichten, die diese strukturen leugnen, nicht viel.

    ps: weitere postings, die diese strukturen leugnen, schalte ich nicht frei. euch gehört ja schon der rest der welt.

  11. Pingback: Über ge-störtes Essen, Vereinnahmung und das innere Schlachtfeld | Identitätskritik

  12. ein wunderbarer Post! Ich hatte schon viele Diskussionen mit Freunden, in denen ich versucht habe deutlich zu machen, das fat shaming eine ganz andere Liga und viel häufiger eintritt als angebliches “skinny bashing”. Meist wurde ich dann eben auch von sehr dünnen Freunden belehrt, oftmals von Männern, dass die vermeintlich umgekehrte Diskriminierung ja ebenso schmerzhaft sei. Gegen solche persönlichen und sicherlich auch einiegrmaßen scherzhaften Erfahrungsberichte anzureden, insbesondere im Freundeskreis, ist schwierig. Ich bin froh vermehrt Post zu dieser ätzenden Relativierung zu lesen. Aus meinen eigenen persönlichen Erfahrungen (als präpubertäres Mädchen sehr dünn, dann dicker und jetzt irgendwie so je nach Kontext “normal” oder “kräftig”) kann ich nur sagen, dass ich zwar auch früher Sprüche zu hören bekam wie “Storchenbein”, iss mehr, Erstaunen über die ichtbaren Rippen, ect., aber es hat mich nie verletzt, sondern eher irgendwie stolz gemacht, da ich bereits als sehr junges Mädchen eben mitbekommen habe, dass ein sehr dünner Körper als schön erachtet wird. Klar wird man mal aufgezogen, aber man spürt das ja schon welche Intention hinter solchen Kommentaren steckt und oftmals habe ich das eher als Neid empfunden.

  13. Hallo!
    Ich habe deinen Post mit viel Interesse gelesen und kann dem, glaube ich, nur zustimmen. Ich selbst bin davon nicht betroffen, habe eher andere – vielleicht internalisierte – Probleme mit meinem Körper, auch wenn – oder gerade weil ? – er als “gesund” und “fit” beschrieben wird.
    Aber das ist eine andere Geschichte.

    Was mich interessieren würde ist, ob es große Unterschiede zwischen männlichen Körpern und weiblichen Körpern gibt. Ich glaube nämlich, dass es für Männer* wesentlich akzeptierter ist, dick zu sein, als für Frauen* und frage mich, ob das an der Definitionsmacht des Patriarchats liegt, oder was da los ist. Was denkst du?

  14. nur kurz, weil zeitnot, aber ich denke schon, dass als frauen gelesene körper noch mal stärker heterosexistischen schönheitsidealen unterliegen.

  15. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Lass meinen fetten Körper in Ruhe!

  16. Pingback: inside outside. über innen- und außenwahrnehmung von essstörungen in feministischen diskursen. | Identitätskritik

  17. Pingback: Von menschlichen Abgründen…

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