zu viel des lobes

ich habe eine kumpeline, die ich sehr verehre.

sie hat ein unendlich großes, robustes herz mit liebe für alle menschen in unserem freund_innenkreis. ihr dreckig-lustiger humor ist erfrischend. ich bewundere ihre stärke, ihren radikalen feminismus, für den ich jahre in der uni brauchte & in ihrem falle einfach der tatsache geschuldet ist, dass ihr herz am richtigen fleck pocht (nämlich links!). wofür ich eine theorie aus den hintersten gehirnwindungen vorkramen muss, hat sie immer den richtigen gesichtsausdruck parat, der verrät:

“dear sexists: so und keinen schritt weiter! verpisst euch von meinem glitzernen ponyhof.”

es gibt nur wenige sachen, die ich an ihr nicht leiden kann. letztens, als wir in erinnerungen schwelgend auf einer party etwas tipsy auf einer matratze kuschelten und in eine diskussion mit einem gemeinsamen kumpel von uns verwickelt wurden, folgte eine dieser situation, in denen ich ihr verhalten nicht verstehen konnte: sie lobte unseren gesprächspartner, weil er literally nicht schreiend wegrannte, obwohl wir ein gespräch full with buzzwords wie ‘gender’, ‘heteronormativität’ oder ‘sexismus’ führten.

wir redeten. tauschten argumente aus. die verteidigungsstrategien waren leider altbekannt: “stimmt doch, dass frauen oft auf toilette müssen” oder “what about teh menz?”. schön auch die klassikerin “das siehst du nur, weil du immer deine genderbrille auf hast”. trotz der ungenügenden auseinandersetzung mit unserem diskussionsthema inklusive einer ganzen palette an abwehrmechanismen lobte meine kumpeline die tatsache, dass sich unser seit jahren mit uns beiden freundschaftlich (und mit ihr früher auch mal romantisch) verbundenes, männlich-heterosexuell sozialisiertes gegenüber mit diesen themen befasste. so rückte die kackscheiße, die manchmal langsam aber genüßlich aus seinem mund floß, in den hintergrund. meine kumpeline freute sich wohl so sehr über einen typen, der sich mit gesellschaftskritischen themen befasste, dass ihr großes herz auch für unreflektierten bockmist zugänglich wurde.

sie lobte ihn ein paar mal, manchmal nur – so hatte ich das gefühl – um ihn von meinem womansplaining zu retten. sie lobte ihn, weil es sie freute, dass er nachdachte. dass er zuhörte, auch wenn er meist gegenargumente fand, die zwar nur fernab jeglicher gesellschaftlicher verhältnisse funktionierten, aber die diskussion noch am laufen hielt. sie lobte. und ich ärgerte mich. denn sie machte zugeständnisse, die sie bei ihr unbekannten oder weniger bekannten menschen so wohl nicht machen würde. sie lobte!

ich verstehe das nicht. ich finde nicht, dass ich menschen für etwas lobe sollte, dass sie sich aussuchen können. menschen, die von bestimmten *ismen nicht betroffen sind, aber sich jetzt mal nach zwei glas rotwein fünf minuten ihrer zeit nehmen, um “zu reflektieren”. ein privileg! das kann ich nicht loben, das sollte doch selbstverständlich sein! ich ärgere mich über mich, weil ich meinen hitzkopf in die nächste diskussion stürzte, obwohl ich es besser hätte wissen müssen. und ich ärgere mich auch über meine ansprüche an meine kumpeline.

aber das leben ist wohl doch kein glitzernder ponyhof. schade eigentlich.

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